SY-VERENA basilea

Januar 2001

Das zweite Jahr auf dem Schiff

Gemischte Gefühle

Vreni und ich sitzen im Airbus A 319 der Swissair. Links unter uns das tiefblaue Mittelmeer, rechts die Insel Sardinien. In gut einer Stunde werden wir in Tunis landen. Mit dem Zug geht es dann zurück nach EI Kantaoui, zurück nach Hause, auf unser Schiff. Fast vier Wochen waren wir in der Schweiz und besuchten unsere Familien und unsere Freunde. Wir erledigten Einkäufe, Zahnarztbesuche, Arztkonsultationen und vieles mehr. Unser Terminkalender war gedrängt voll, wie schon lange nicht mehr. Trotz dem Konsumterror, war es eine schöne Zeit. Wir waren bemüht möglichst alle unsere Freunde, die uns sehen wollten zu treffen, leider gelang es uns nicht ganz. Unvorhergesehene Arztbesuche von Hansruedi und die notwendigen Einkäufe für das Schiff und nicht zuletzt die Weihnachtstage, liessen unsere Zeit zu kurz werden. Nun sitzen wir im Flugzeug und rasen mit über 800 Kilometer pro Stunde, Afrika entgegen.

Wir möchten uns bei allen die zu kurz gekommen sind und uns nicht gesehen haben aufrichtig entschuldigen. Bitte seid uns nicht böse und habt Verständnis dafür!

Allen die uns in irgend einer Art geholfen haben, oder uns verwöhnten möchten wir noch einmal recht herzlich danken. Einen besonderen Dank geht an Roger bei dem wir wohnen durften und der uns einen neuen Laptop geschenkt hat und eine eigene E-Mail Adresse eingerichtet hat.  Auch unserem Zahnarzt für das schöne Weihnachtsgeschenk. Herzlichen Dank auch an unsere Familie, vor allem meinem Vater der uns wieder so viel Schreiner Arbeiten gemacht hat und allen die uns zum Essen eingeladen haben. Dank unseren Freunden die uns mit viel Liebe, Einladungen und gutem Essen und Trinken verwöhnten. Der Abschied von unserer Familie und unseren Freunden fiel uns zwar nicht leicht, aber wir fliegen gerne zurück, nach Hause auf unsere "SY-VERENA". Viel Arbeit am Schiff, aber auch die nächsten Reisen liegen vor uns und wir freuen uns riesig darauf. Den ganzen Februar wird unser Schiff auf dem trockenen sein, wo es viele Unterhaltsarbeiten auszuführen gibt und es eine wohlverdiente Neulackierung bekommen soll. Die nächsten Törns ab Ende März führen uns zur Insel Pantelleria, Sizilien dann nach Sardinien, Korsika, Südfrankreich, Menorca, Mallorca, Ibiza und dann nach Südspanien. Vielleicht kommst auch du eine oder zwei Wochen mit und erlebst bei uns an Bord die Freiheit und die Schönheiten des Mittelmeers. Weit weg von Stress und Terminen. Dream it do it!

 Es war nicht einfach einen Flug in die Schweiz zu bekommen

Zuerst noch einmal kurz zurück ins Jahr 2000, zurück zu den letzten Wochen in Tunesien im alten Jahr. Wie ihr wisst planten wir, zuerst im November für drei Wochen in die Schweiz zu reisen. Aus familiären Gründen und allgemeinen Umständen entschieden wir uns, die Schweizreise auf Anfangs Dezember zu verschieben. Nach den ersten Abklärungen betreffend Flug, stellten wir eine Reise in die Schweiz plötzlich generell wieder in Frage. Der Flug mit der Tunisair sollte pro Person über Fr. 800.-- kosten, was schlichtweg unser Budget gesprengt hätte. Nach weiteren Abklärungen in verschiedenen Reisebüros in Tunesien, konnten wir schlussendlich für 347 Tunesische Dinar pro Person, ( Fr. 535. --) einen Retourflug buchen und erst noch mit der Swissair.

Am Mittwoch, den 8. November fuhren wir zusammen mit Heidi und Valentin von der SY-PELIKAN nach Sousse in das Reisebüro um unsere Flugscheine abzuholen. Vreni hat vorher noch einmal telefoniert und die Bestätigung erhalten, dass sie bereit liegen. Um 09:00 Uhr sind wir im Reisebüro, Tickets sind keine da. Die Mitarbeiterin, sehr freundlich geht gleich an ihren PC und holt unsere Namen auf den Bildschirm. Alles bestens! Flug SR 239 und SR 238 ist für uns gebucht. Sie fragt nach unserer Aufenthaltsbewilligung. Wir geben ihr unseren Vertrag vom Liegeplatz in Port EI Kantaoui. Mit dieser Bestätigung sollten wir besonders billig fliegen können. Sie schaut das Papier an, telefoniert und erklärt uns, dass es etwas länger dauern werde. Zuerst verlässt sie mit unserem Vertrag das Büro um bei der Post eine Kopie anzufertigen. Das Reisebüro hat keinen Kopierer. Anschliessend schickt sie einen ihrer Mitarbeiter mit dem Vertrag los.

Dieser kommt nach fast einer Stunde endlich zurück. Dem Wortwechsel in arabisch, der nun zwischen unserer netten Agentin und dem Mitarbeiter entflammt, können wir entnehmen, dass etwas nicht rund gelaufen ist. Seine Aufgabe war es, wie wir später rekonstruieren konnten, zuerst bei der Gemeindeverwaltung den Stempel auf den Vertrag zu bekommen, der zum Bezug eines Tickets für Einheimische ermächtigt. Dann sollte er beim Büro der Tunisair unsere Flugscheine abholen. Den Stempel hat er bekommen, Tunisair aber wollte ihm keine Tickets zum tiefen Tarif verkaufen.

Nun folgten einige Telefonate unserer Agentin mit mehreren Stellen. Die Dame ist ausser sich. Ein lautstarker Redeschwall und das zweimalige unsanfte auflegen des Hörers lassen ihre Wut erkennen. Es ist unterdessen halb Zwölf geworden. Vreni fragt die junge Dame, die sich so energisch für uns einsetzt, ob wir lieber am Nachmittag wieder kommen sollten. Sie lächelt: "No, no". Sie bekomme das schon hin, die Tunisair wolle ihr nur den Billigflug mit Swissair unterbinden. Ein weiteres lautes, arabisches Telefongespräch folgt. Plötzlich schickt sie einen Jungen, der schon längere Zeit im Büro stand mit dem Taxi weg. Kurz nach 12.00 Uhr kommt dieser mit einem Umschlag zurück, den er unserer Agentin übergibt, sie öffnet ihn und entnimmt strahlend unsere beiden Flugtickets. Sie überprüft zusammen mit uns die Angaben. Alles hat seine Richtigkeit. Sie lächelt, kassiert von uns das Geld und ist mit ihrem Erfolgserlebnis und unserem kleinen Trinkgeld glücklich und zufrieden. Nach bald vier Stunden Aufenthalt im Reisebüro können wir nun am 2. Dezember doch noch fliegen.

Die Reise zurück auf unser Schiff

Der Aufenthalt in der Schweiz ist vorbei. Am 29. Dezember um 08.00 Uhr holt uns Heinz zusammen mit seinem Sohn Sirnon vor der Wohnung von Roger in Schliern bei Köniz ab. Bei kaltem aber trockenem Wetter fahren wir Richtung Genf. Heinz hat mir das Steuer überlassen und ich darf wieder einmal Mercedes fahren, für lange Zeit wird es sicher das letzte Mal sein. Nach etwas mehr als einer Stunde parkieren wir beim Flughafen Genf das Auto und verladen unsere zwei schweren Taschen und das Handgepäck auf einen Transportwagen des Flughafens. Beim Einchecken ist die Dame am Swissair Schalter sehr grosszügig und lässt unsere Taschen mit einem Gewicht von 56 Kilogramm ohne Aufpreis durch. Erlaubt wären 40 kg gewesen. Mit den zwei Handgepäck Stücken welches auch noch jedes 20 Kilo wiegt marschieren wir zur Flughafenbar, die alles andere als einladend wirkt, da alles sehr eng ist und wir an der Selbstbedienung Schlange stehen müssen.

Heinz und Sirnon verabschieden sich etwas später und Vreni und ich begeben uns Richtung Gate A2. Mein Rucksack ist gefüllt mit Ersatzteilen und weiterem technischen Material das wir auf dem Schiff dringend benötigen. Vorsichtshalber habe ich eine Liste dabei, auf der alles mit Herkunft und Preis aufgeführt ist. Tatsächlich gibt es die ersten Probleme. Der Sicherheitsbeamte nimmt mich zur Seite und lässt mich die Tasche ausräumen. Er findet unter anderem die zwei CO2 Patronen die wir zur Wartung unserer Rettungswesten dringend benötigen. Ich erkläre ihm was es ist, gebe ihm auch den Beschrieb des Herstellers und habe die Quittung vorliegend. Er bleibt hart. Das darf nicht ins Flugzeug ohne die Einwilligung des Flugkapitäns. Der Beamte begleitet uns zum Gate und beauftragt dort die Angestellte der Swissair mit dem Piloten das Problem zu besprechen. Es entsteht ein mühsames Hin und Her, was sogar zu einer Startverzögerung von 20 Minuten führt und dass die für uns so wichtigen Ersatzteile in Genf bleiben müssen und dort innert 30 Tagen abzuholen sind.

Sauer besteigen wir das Flugzeug eine Boing A 319 mit 116 Sitzplätzen. Vor dem Start die obligate Sicherheitsinstruktion bei der auch die Rettungswesten des Flugzeuges erklärt wird. Mich etwas unwissend stellend frage ich die Stewardess, wie denn diese Rettungswesten aufgeblasen würden? Man muss an einer Schnur ziehen dann bläst eine, nein sogar zwei CO2 Patronen die Weste selbständig auf. Ich bedanke mich für die kompetente Auskunft und bitte sie ihren Flugkapitän zu fragen, warum er selber mindestens 250 solcher CO2 Patronen an Bord habe, und unsere zwei Patronen nicht mitnehmen wollte und somit unser Leben auf See in Gefahr bringe?

Nach der Landung in Tunis wartet beim Cockpit der Kapitän auf uns. Ich stelle ihm noch einmal meine Frage. "Er hätte nicht gewusst was für Dinger das gewesen seien und hätte deshalb das Mitnehmen verweigert". Er entschuldigt sich und verspricht zu veranlassen, dass uns die beiden CO2 Patronen in den Hafen von EI Kantaoui geliefert werden.

Wir begeben uns zur Polizei Kontrolle von Tunesien. Pass vorlegen und die rote Aufenthaltskarte. Alles o.k. wir können passieren. Was aber nun? Da steht doch noch ein  Röntgenapparat durch den unser Gepäck muss.  Der Sicherheitsbeamte ist lustig und aufgestellt und redet mit den Fluggästen. Unsere Taschen sind durch und ein weiteres Hindernis ist genommen. Nun steht uns noch der Zoll bevor. Das sollte aber kein Problem sein, da wir eine genaue Liste dabei haben und die Ware nur "Transit" ist also nicht in Tunesien bleibt. Der Zöllner klopft an die grosse, prall gefüllte und schwere Reisetasche, lacht verschmitzt und lässt uns passieren. Super nun können wir den 16.30 Uhr Zug nach Sousse noch erreichen. Ein Träger dem wir gerne einen Dinar Trinkgeld geben, organisiert uns im Menschengewimmel der Festtage ein Taxi zum Bahnhof. 10 Dinar plus 2 Dinar extra wegen zu schwerem Gepäck verlangt der Taxi Fahrer von uns. Wir versuchen die schweren Taschen zum Perron zu schleppen, was wir schlichtweg fast nicht schaffen. Ein Sicherheitsbeamter der Tunesischen Bahn schaut uns zu und bittet uns zu warten. Nach einiger Zeit kommt er mit einem hageren Mann mit einem Karren zurück und hilft uns die vier Taschen mit einem Gesamtgewicht von nahezu 100 Kilo aufladen. Den Schweizer "Schoggi" und die vier Zigaretten nimmt er dankend an. Der "Gepäckträger" bringt unsere Taschen zum Bahngeleise und erklärt beim Abladen, dass genau hier der Einstieg zum 1. Klasse Wagen sein werde, was sich einige Minuten später bestätigt. Vreni und ich haben nun genügend Zeit die schwere Last in den Zug zu bringen, wobei uns ein Jugendlicher behilflich ist. Gleich neben der Eingangs Türe des Wagens lassen wir uns auf der ersten Sitzreihe nieder um in Sousse, wenn der Zug seinen ersten Halt macht nahe beim Ausgang zu sein. Die Eisenbahn in Tunesien hat übrigens noch drei Klassen, die Comfort, die Erste und die Zweite Klasse. Pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung und wir freuen uns in knapp zwei Stunden in Sousse zu sein. Der Zug ist bis zum letzten Platz besetzt, sogar im Vorraum der Wagen stehen Tunesier herum. Während der Fahrt kommt eine nette Hostess vorbei und verteilt Erfrischungstücher und etwas später werden sogar gratis Getränke verteilt. Alles wäre so schön gewesen, wenn nicht plötzlich die Schiebetüre hinter uns zugegangen wäre und sich in dieser Lage verklemmt hätte. Lange Zeit blieben alle Versuche die Türe wieder zu öffnen, ohne Erfolg. Als der Schaffner bei uns vorbei zur Türe will, erkläre ich ihm dass wir in Sousse riesige Probleme bekommen, da wir mit dem schweren Gepäck durch den ganzen Wagen gehen müssen.   Der Zug werde dadurch aufgehalten. Gemeinsam versuchen wir nun alles, die verklemmte Türe frei zu bekommen, was uns kurz vor Sousse doch noch gelingt. In Sousse steigen wir aus und schleppen das Gepäck etwa 20 Meter zur Strasse hoch, wo wir versuchen ein Taxi zu stoppen. Ein wortkarger Taxifahrer mit einem gelben Peugeot 205 mit weit über 200'000 Kilometer auf dem Zähler nimmt uns nach etwa zehn Minuten Wartezeit mit. 

Es ist 19:00 Uhr als wir auf unserer SY-VERENA ankommen. Wir sind glücklich zu Hause zu sein. Wir hatten eine gute und schöne Reise!

Das Leben im "Winterlager"

Unser Leben im Hafen von Kantaoui ist alles andere als langweilig. Wir haben sehr liebe, neue Freunde gefunden und helfen uns gegenseitig wie in einer grossen Familie. Da ist die "SV Pelikan" ein Segelschiff aus Stahl und 11 Meter lang. Ein Hochseeschiff wie es sich viele in Gedanken vorstellen. Heidi und Valentin die Crew, sind aus dem Kanton Aargau und vorerst für zwei Jahre unterwegs. Die zweite Schweizer Crew sind Silvian und Rene, mit Ihrer tollen und selber ausgebauten 14 Meter langen Segelyacht "Boheme" ebenfalls aus Stahl gebaut. Rene und Silvi sind gut 10 Jahre jünger als Vreni und ich, kommen aus Zürich und leben wie wir auf unbestimmte Zeit an Bord. Ausgestiegen! Wir drei Crews, haben uns sofort gefunden und waren uns gegenseitig sympathisch. Eigentlich erstaunlich, sind wir doch sehr verschieden Typen und haben teils ganz andere Ziele vor uns. Oder doch nicht? Suchen wir nicht alle drei das Gleiche? Die Freiheit, das Abenteuer, das Neue. Da wäre auch noch Horst vom Motorboot, er hat eine kleine, vollautomatische Waschmaschine an Bord und lässt seine Freunde für umgerechnet Fr. 1.80 pro Trommel inkl. Waschmittel waschen. Während der langen Werftzeit, wo unser Schiff aufgebockt an Land stand, holte Horst oft sogar bei Vreni die Wäsche ab und brachte sie gewaschen wieder zurück. Er hätte ja Zeit, und wir zu arbeiten! Im Winterlager, wo man längere Zeit als sonst üblich bleibt, arbeitet man vor allem am Schiff um es für die nächsten, langen Fahrten wieder auf "Vordermann" zu bringen. Fast kein Tag vergeht, an dem nicht geschliffen und gestrichen wird. Holz wird neu lackiert, es werden neue Planen und Überzüge genäht, Service- und Reparatur Arbeiten werden ausgeführt. Unser Freund Valentin mit dem etwas älteren Stahlschiff muss vor allem Rost reparieren, Rost reparieren und nochmals Rost reparieren. Er hat den Farbkessel schon fast Tag und Nacht an den Arm gebunden. Das sind die Leiden eines Stahlschiff Besitzers. Unser Leben hier ist sehr abwechslungsreich und interessant. Im Hafen geben wir einigen Leuten spezielle Namen. Da ist zum Beispiel "My Friend" das ist Lhassan, der Kapitän vom Glasbodenboot oder "der General", das ist Horst mit dem recht kleinen Motorboot "Delphin" und der Waschmaschine an Bord. Er hat den ersten Liegeplatz an unserem Steg und schaut für Ruhe und Ordnung. Auch "Dr. Soniboy" gibt es noch, den Anmacher vom Piratenschiff. Hinter diesen Übernamen stecken selbstverständlich auch immer kleine Geschichten. "My Friend" nennt uns Lhassan seit er unseren alten GPS bekommen hat. Diese Geschichte folgt aber etwas später. "Der General" unser Horst ist ein lieber Kerl, er ist Frührentner und jetzt 62 Jahre alt. Er lebt alleine auf seinem kleinen Motorboot und nur ab und zu besucht ihn seine Freundin aus Deutschland. Er ist hier im Hafen zu Hause, von Seefahrt hat er wenig Ahnung, ist aber dauernd am lernen. Während 10 Jahren kam er immer nach Port EI Kantaoui längere Zeit in ein Hotel, vor einem Jahr fand er, dass im Hafen auf einem Schiff zu Leben viel interessanter wäre und kaufte sich ab Platz dieses Holz Motorboot. "Dr. Soniboy" ist ein Junge vielleicht 22 Jahre alt, mit krausen Haaren, er sieht eher aus wie ein "Rasti" als wie ein Tunesier. Sein Job ist es die Leute für eine Fahrt auf dem Piratenschiff zu kapern. Uns kennt er und meint dann immer wenn wir vorbei kommen, "alles klar?".

Auch mit den Behörden in Port EI Kantaoui haben wir es sehr gut. Die Beamten der "Garde Nationale" grüssen uns immer sehr freundlich wenn Sie die 10 Meter von ihrem Büro zum Kaffee trinken, mit ihrem grossen grünen Gummiboot hinter unserem Schiff durchfahren. Treffen sie uns einmal auf einem anderen Steg an warnen sie uns spasseshalber, dass wir hier nicht hin gehören. Der Zöllner des Hafens sitzt oft unten in der Capitanerie, wo wir den Schlüssel für die Dusche holen müssen, auch er ist immer freundlich und die Standart Frage lautet immer "Ca va?"  Eine Antwort erwartet er eigentlich nicht. Der gut gebaute  Polizist der "Port Police" ist eine echte Respektsperson. Mit den Händen auf dem Rücken und dem Bauch nach vorne, spaziert er mit aufrechtem Gang durch den Hafen von EI Kantaoui und kontrolliert die Gegend. Auch er grüsst immer sehr freundlich.

Silvester - Neujahr in Afrika.

Den Jahreswechsel 2000/2001wollen wir drei Schweizer Crews gemeinsam feiern. Rene hat im "Nuova Marina" einer Pizzeria in unserem Hafen einen Tisch reserviert. Das Silvesterangebot für 25 Dinar, also umgerechnet Fr. 31.-- ist für uns alle erschwinglich und niedriger als bei den übrigen Restaurants, die alle mindestens 60 Tunesische Dinar verlangen. Nach dem Apéro, zu dem uns Rene und Silvi auf ihr Schiff eingeladen haben bummeln wir gegen 20.00 Uhr Richtung "Nuova Marina". Wir werden dort sehr freundlich empfangen und an unseren Tisch begleitet. Der Raum ist sehr eng und mit Tischen ausgefüllt aber wir haben genügend Platz. Während wir auf das Essen warten und zusammen die neusten Erlebnisse der letzten Tage austauschen, füllt sich der Raum mehr und mehr mit weiteren Gästen. Es sind vor allem Tunesier und nur sehr wenige Ausländer die zum Silvester Essen und Feiern hier her kommen. Das gefällt uns natürlich. Die Bedienung ist sehr freundlich und zuvorkommend.  Als erstes serviert man uns eine Platte mit kleinen Leckereien. Harissa, Oliven, Minigebäck und frisches Brot. Wir haben vorerst zwei Flaschen Rotwein "Haut Mornac" bestellt und stossen an,  auf unser interessantes, freies Leben, das wir leben dürfen. Als Nächstes folgt eine köstlich rahmige Suppe. Sie schmeckt herrlich. Das Crevetten Cocktail wird uns als nächsten Gang gebracht. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, alles ist sehr schön angerichtet und schmeckt vorzüglich. Noch ist es aber nicht zu Ende. Ein weiterer Gang folgt, das Zitronen Sorbet kommt auf den Tisch. Die Zeit vergeht im Flug und als die Hauptspeise, das feine Steak folgt, zeigt die grosse Uhr an der Wand bereits 22:00 Uhr. Während dem ganzen Essen spielt ein Pianist an der elektronischen Orgel und wird von einem Sänger internationaler Klasse begleitet. Nach der Hauptspeise tritt sogar für kurze Zeit eine tunesische Bauchtänzerin auf und vollführt ihre wahrlich gekonnte und anmutende Bauchakrobatik. Es gefällt uns allen super! Auch nach dem Steak ist das Schlemmern noch nicht zu Ende. Es folgen Früchte und später auch noch eine riesige Torte. Dazwischen wird noch tunesischer Tee serviert, der sehr gut schmeckt. Das alte Jahr geht zu Ende und das Servierpersonal verteilt die Sektgläser mit einer perlenden Flüssigkeit. Was es ist, können wir bis zuletzt nicht heraus finden. Sekt war es bestimmt nicht, Alkohol hat es keinen enthalten. Apfelsaft? ein Gemisch? wir wissen es nicht. Es war nicht schlecht, aber ein echtes Glas Champagner werden Vreni und ich später auf dem Schiff noch geniessen.  Es war ein sehr gelungener Abend und wenn man bedenkt, alles für nur für 31 Schweizer Franken!

Es ist 02:00 Uhr früh im neuen Jahr 2001 als wir uns voneinander verabschieden und auf unsere Schiffe zurück gehen. Das neue Jahr hat begonnen, wir machen das Beste daraus und verwirklichen unsere Pläne und Träume. Gott möge uns die Gesundheit dazu schenken.

Essen bei "My Friend" Lhassan und die durchbrochene Polizeisperre

Lhassan hat uns bereits vor unserer Schweizreise, zusammen mit Valentin und Heidi, zu sich nach Hause zum Diner eingeladen. Lhassan ist Tunesier und hier in der Nähe geboren. Er hat ein Kapitänspatent bis 5000 Tonnen Schiffe und fährt je noch Gelegenheit grosse Fischkutter, oder so wie zur Zeit das grösste Glasbodenboot das bei uns im Hafen liegt. Lhassan verdient im Monat umgerechnet 400 Franken und suchte einen günstigen GPS. (Satelliten Navigations Gerät). Durch Vermittlung von Heidi und Valentin haben wir ihm unser altes Gerät sehr billig verkauft. Dies war der Anlass, dass uns Lhassan unbedingt zu sich nach Hause zum Essen einladen wollte. Am Samstag den, 13. Januar ist es dann soweit. Wir freuen uns riesig einmal die Gelegenheit zu haben, bei einer einheimischen Familie Gast zu sein. Etwas nach fünf Uhr holt uns Lassan ab und wir bummeln gemeinsam durch Port EI Kantaoui, hinauf zur Hauptstrasse wo wir auf eine Louage (Billig Taxi) warten. Die ersten beiden Kombi die bei uns stoppen nehmen uns nicht mit, beim dritten kann Lhassan den Fahrer wohl zu seinem Spezialwunsch überreden. Los geht es.

Zuerst nach Sousse, diese Strecke kennen wir noch, dann aber verlieren wir langsam die Orientierung. Die Strassen werden immer schmaler und schmaler, Asphalt Strassen werden zu Pisten. Wir befinden uns im tiefsten Tunesien. Nach zirka 25 Kilometer bei der kleinen Ortschaft Querdamine, Heidi konnte beim vorbei fahren die Ortstafel lesen, biegen wir ab und fahren ganz langsam zwischen den einfachen, viereckigen Betonhütten hindurch und halten nach einigen hundert Meter vor einem der Häuser. Lhassan der übrigens ausser arabisch nur etwas englisch spricht, bittet uns um 10 Dinar, um den Fahrer zu bezahlen. Wir steigen aus und werden ins Haus gebeten, das Lhassan und seine Frau für 100 Dinar (Fr 125.-- ) im Monat, gemietet haben. Lhassan und Sama sind etwas mehr als dreissig Jahre alt und knapp zwei Jahre zusammen verheiratet. Es geht eine zweiteilige, um neunzig Grad versetzte Treppe hoch. An der Stelle zwischen dem ersten und zweiten Treppenabschnitt, muss man sich bücken, sonst wäre der Kopf um die Stirnbreite, bei Valentin etwas mehr, kürzer. Wir betreten die Wohnung und werden von Lhassans Frau herzlich begrüsst. Sie spricht nur arabisch. Mit Händen und Füssen und der Mimik wird an diesem Abend die Unterhaltung statt finden.

Der Tisch im sehr einfachen aber sauberen Wohnzimmer ist schön und vor allem reichlich gedeckt. Das Essen ist schon angerichtet. In Tunesien isst man nicht heiss, die Speisen sind warm oder manchmal auch schon fast kalt. Auf dem Tisch steht eine grosse Schüssel mit Spaghetti an einer scharfen roten Sauce und reichlich, zart gekochtem Tintenfisch. Daneben eine gleich grosse, längliche Schale mit einem gebratenen Huhn, Pommes und vielen Garnituren wie Paprika und Tomaten. Daneben ein weiterer grosser Teller, gefüllt mit kleinen gebratenen Haifisch Scheiben und einem mit tunesischen Salat. Auf dem kleinen Nebentisch steht bereits geschnittener Fenchel und verschiedene Früchte für den Nachtisch bereit. Wir werden zu Tisch gebeten, wobei wir feststellen müssen, dass nur für fünf Personen gedeckt ist. Shama isst nicht mit uns, das sei hier so üblich. Die Frau hat die Aufgabe ihren Mann und die Gäste zu verwöhnen und hat darum schon vorher in der Küche alleine etwas gegessen. Das sind Bräuche die wir uns in Europa schon fast nicht mehr vorstellen können. Es befremdet uns ein wenig.

Das Essen schmeckt hervorragend auch wenn es leider schon fast kalt ist. Die Spaghetti, die nach unserer Meinung für zehn Personen gereicht hätte müssen wir fertig essen. Vorher wird das zweite Gericht, das Poulet nicht angerichtet. Als der Spaghettitopf endlich leer ist und unsre Mägen schon voll, wird als Zeichen der Gastfreundschaft aus der Küche der Topf noch einmal gefüllt. Lhassan beauftragt nun seine Frau, oder müsste man sagen befiehlt? das nächste Gericht zu verteilen. Es schmeckt wieder sehr gut und muss ausgegessen werden. Erst als alles aufgegessen ist, nur im Teller liessen wir einen kleinen Rest übrig, gibt es vor der Nachspeise eine Pause. Die Gastgeber zeigen uns nun stolz ihre Wohnung, die sie gemietet haben. Das Schlafzimmer beinhaltet zwei schwere Holzbetten wie ich sie noch von meinen Grosseltern her kenne und einen mächtigen Schrank. Das Bett ist mit selber gemachten runden Kissen geschmückt und darauf hat Sama auch die zwei Geschenke gelegt, die wir ihnen mitgebracht haben. Ein kleines Fenster zeigt zum Hinterhof hinaus. Das zweite, kleine Zimmer dient vor allem als Gebetsraum, beide sind streng gläubige Moslems. Ein grosser Spiegelschrank mit Schnitzereien und mit dem ganzen Stolz der Frau, ihrem Geschirr und den zahlreichen, schönen Gläser, steht an der Wand. Daneben sind am Boden nur die Gebetsmatten und an den Wänden einige Fotos und wie in der ganzen Wohnung, zahlreiche Kunststoff Blumen aufgehängt. Die Küche ist sehr einfach und alles ist nach unseren Begriffen alt und sehr dürftig gebaut. Im WC Raum gibt es sogar eine eingebaute Badewanne.

Strom und fliessendes Wasser ist vorhanden und muss nach Zähler monatlich bezahlt werden. Eine Heizung gibt es nicht und wir beginnen etwas zu frieren. In der Nacht gehen in dieser Jahreszeit die Temperaturen auf zirka 13 Grad herunter.

Der heisse Kaffe und Tee der uns in kleinen Schnapsgläsern mit Goldrand serviert wird tut gut.  Währenddessen zeigen uns Lhassan und Sama ihre Hochzeitsfotos. Nebst dem Fernseher, der im Wohnzimmer dauern läuft und der Satellitenschüssel, sind diese Fotos wohl der grösste Stolz der beiden. Wir erfahren wie Heiraten hier so vor sich geht. Zuerst feiern Mann und Frau bei sich zu Hause einen Tag lang getrennt. Dann folgt einen Tag lang ein gemeinsames Fest ohne Gäste und mit dem Unterzeichnen der Urkunden beim Mann zu Hause. Anschliessend, während drei Tagen wird zusammen mit Gästen gefeiert. 500 waren es bei Sama und Lhassan. Die Hochzeit kostete ihnen den Verdienst von drei Jahren. Um 22.00 Uhr hätte uns ein Freund von Lhassan mit seinem Auto abholen und zurückfahren sollen. Der Fahrer hat es aber vergessen. Nun geht Lhassan aus dem Haus und sucht für uns eine andere Rückfahrgelegenheit. Ein Telefon gibt es im Haus nicht. Nach einiger Zeit kommt er zurück und wir können in einen alten, herunter gekommenen Peugeot 404 aus den sechziger Jahren einsteigen. Wir verabschieden wir uns recht herzlich und Sama bespritzt uns noch mit Parfüm. Dass wir ihr als Dank einen Abschiedskuss gaben, war, wie sich später herausstellte ein grober Fehler von uns Männer. Wer eine Moslem küssen darf ist klar geregelt. Wir dürfen es nicht!

Unser Fahrer besteht darauf, dass Lhassan mitfährt. Also quetschen wir uns neben den Fahrer auf den Beifahrer Sitz. Zuerst geht die Fahrt noch gut. Es ist stockdunkel, keine Strassenlaterne brennt, nichts. Der Fahrer fährt sehr langsam damit wohl das Auto nicht auseinander fällt. Die Radaufhängung hat unheimlich viel Spiel und macht enormen Lärm. Der Motor läuft wie ein Steinbrecher, Nockenwellen Antrieb, Kolben und Lager haben so viel Spiel, dass bei genügend Oel bestimmt nichts mehr anfressen kann. Schalten kann man nicht mehr ohne dass es kratzt. Die Instrumentenbeleuchtung funktioniert nicht mehr und die Scheinwerfer werfen nur ein kurzes schwaches Licht auf die löchrige Strasse. So nebenbei erklärt mir Lhassan, der Fahrer dürfte eigentlich mit dem Auto nicht mehr fahren, weil die Lizenz abgelaufen sei. Vor uns tauchen plötzlich rot winkende Lichter auf. Eine Polizeisperre, Grosskontrolle. Unser Fahrer gibt Vollgas, wir glauben, jetzt fliegt die ganze Karre auseinander. Der Polizist der uns mit der roten Stablampe zum Anhalten aufforderte, kann nur noch auf die Seite springen. Kreuz und quer rasen wir nun durch enge Strassen, Wege und über Naturplätze, einfach was der Peugeot noch hergibt. Dauernd dreht sich der Fahrer um und kontrolliert ob uns jemand folgt, fast wie in einem alten Krimi. Es folgt uns niemand. Nach kurzer Irrfahrt stehen wir nun mit dem Auto zwischen zwei hohen Mauern auf einem Hinterhof eines verlassenen Gebäudes. Sofort Motor abstellen, Lichter löschen und rasch aussteigen! Zu Fuss geht es zwischen die kleinen Häuser hindurch auf die Dorfstrasse, so als wäre nichts gewesen. Nun stehen wir an der um diese Zeit nur noch wenig befahrenen Strasse nach Sousse und warten auf eine Louage, die noch vier Plätze frei hat, um uns nach Port EI Kantaoui zu bringen. Lhassan ist das Ganze gar nicht recht und er entschuldigt sich immer wieder. 1500 Dinar, ein Vermögen hätte der Fahrer bezahlen müssen, wenn ihn die Polizei ohne die Fahrberechtigung für das Auto, erwischt hätte, für ihn ein Vermögen. Es blieb nur die Flucht. 

Wir wassern aus

Der Kalender zeigt Mittwoch den, 24. Januar 2001 an. Bereits um 06.00 Uhr stehen Vreni und ich auf, machen uns einen Kaffe und machen das Schiff klar zum Ablegen. Das Gummiboot wird ins Wasser gelassen, da es am Liegeplatz zurück bleibt. Auch die beiden Bord Fahrräder bleiben vorerst auf dem Steg zurück; die holen wir zu einem späteren Zeitpunkt ab. Die meisten Anbinde Trossen werden gelöst, nur noch zwei vorne und eine hinten, halten das Schiff fest. Auch die beiden Landstrom Kabel werden an Bord genommen. Das Wetter ist ideal. Strahlend blauer Himmel und bereits um diese Zeit milde 15 Grad. Gegen 8.00 Uhr kommen Valentin und Heidi, die beiden Schweizer von der SY-Pelikan, als Unterstützung zu uns an Bord. Rene und Silvi von der SY-Boheme verschieben sich zum Trockendock um uns dort beim Anlegen zu helfen. So viel Unterstützung hatten Vreni und ich, beim Auswassern, noch nie. Der Motor ist gestartet die Leinen sind los, wir fahren langsam rückwärts aus unserem Bootsplatz. Es sind etwa 200 Meter Fahrt durch den Hafen bis zur Kranbox, in die wir rückwärts hinein fahren müssen. Die Beamten der Garde Nationale kommen aus ihrem Büro und rufen hinüber: "You living?" "Non, Chantier!" rufen wir auf französisch zurück. Eigentlich müssten sie es ja wissen, denn ich habe es ihnen gestern schriftlich gemeldet. Die Werft wassert mit dem Kran gerade eine 14 Meter Segelyacht aus, deshalb wir gehen vorerst an der Tankstelle längsseits und warten. Mit wenig Verspätung gibt man uns um 9.15 Uhr das Zeichen in die Kranbox einzufahren. Beim ersten Versuch drückt mich der Seitenwind im letzten Moment zu Seite und ich verfehle die sehr schmale Box. Ich habe wieder grosse Probleme beim Fahren, unser Antrieb hat enormen Schlupf und ich bringe das Schiff fast nicht in Fahrt. Beim zweiten Mal gelingt es dafür bestens. Die vier breiten Traggurten des Krans werden vor und hinter unserem Kiel um das Schiff gelegt und vorsichtig wird unser 10 Tonnen Schiff aus dem Wasser gehoben. Ein Jahr ist es seit der letzten Auswasserung in Südfrankreich her. In den knapp drei Monaten, die wir im Hafen liegen, haben sich am Unterwasserschiff zum Teil schon Algen von einer Länge von 10 Zentimeter gebildet und hängen nun wie Bärte an unserer SY-VERENA herunter. Der Kran mit seinen Mannshohen Räder und einer Tragkraft von 40 Tonnen fährt uns anschliessend langsam auf den Waschplatz. Ein Werftarbeiter reinigt anschliessend mit dem Hochdruck Reinigungsgerät unser Unterwasser. Es ist das erste Mal, dass Vreni und ich diese Drecksarbeit nicht selber verrichten. Wie kam es dazu?

Unser Schiff wird dieses Jahr 20 Jahre alt und es hat dringend eine Neulackierung nötig. Auch das Unterwasserschiff, das wir in den vergangenen sieben Jahren immer nur abgerieben und dann neu mit Antifouling Farbe gestrichen haben, sollte von Grund auf neu aufgebaut werden. Zudem wollen wir sicher sein, das unser Schiff nicht Osmose hat. (Eine Krankheit von Kunststoff Schiffen: es bilden sich Blasen mit einer ätzenden Flüssigkeit, die mit der Zeit den Rumpf zerstört.) Vreni hat aus der Erfahrung der letzten 8 Jahren berechnet, was uns diese Arbeit in Frankreich oder in Spanien kosten würde. Auswassern, Trockenplatz, Einwassern und alles Material das wir benötigten. Vreni kommt auf einen Betrag von mindestens Fr. 5500. --. Dazu käme noch unsere Arbeit von ungefähr 250 Stunden. Die Neulackierung könnten wir ausserdem nur mit dem Farbroller machen, da uns eine Spritzanlage fehlt. Nun hat uns die Werft hier in Port EI Kantaoui für die gleiche Arbeit inklusive alles Material und dem Spritzen der Neulackierung ein schriftliches Angebot von 3846 tunesischer Dinar (Fr 4900. --) gemacht. Arbeitsdauer einen Monat. Dieses Angebot ist hier noch möglich, da der Verrechnungslohn zwischen Fr. 8. -- und Fr. 10. -- liegt. Gearbeitet wir meist von Hand, Maschinen gibt es nur wenige, oft stellen die Schiffsbesitzer ihre eigenen zur Verfügung, das gilt auch für die Verlängerungskabel und die diversen Stecker. Die Mitarbeiter verdienen im Monat zwischen 200 und 400 Dinar (250 bis Fr. 500) 

Am Mittag steht unser Schiff sauber gereinigt auf 15 "Stüppern" mitten auf dem Werftgelände, inmitten von anderen Segelschiffen an denen Mitarbeitern der Werft oder die Eigner selber schleifen, spachteln streichen oder andere Reparaturen ausführen. Wir richten uns, so gut es geht, vorerst einmal wohnlich ein. Wir können den WC nicht mehr benützen und auch mit dem Wasserabfluss und dem Landstrom muss improvisiert werden. Am Nachmittag gehen wir zur Bank und holen das Geld für die Anzahlung der Werft ab. Wir wechseln Swiss Traveler Checks und erhalten 2000 Dinar in 10er und 30er Noten. Grössere gibt es nicht. Mit einer Tasche voller Geld bummeln wir zum Werftbüro und leisten die verlangte Anzahlung. Etwas später kommt "Picasso" zu uns. Er ist der Maler, der unsere Neulackierung machen wird. Er hat in Italien sein Handwerk gelernt und hat weit herum einen guten Namen. Vor uns hat er gerade die SY-SUMMERTIME von Gerhard und Sabine neu gespritzt, die er uns nun zeigt. Wir waren zwar schon im Bilde, haben wir doch in den vergangenen letzten Tagen seine Arbeit an diesem Schiff mit viel Interesse verfolgt. Wir können als erstes das Farbprodukt und die Farbtöne auswählen. Wir entscheiden uns für ein französisches Produkt "Valentine". Das Schiff möchten wir Schneeweiss mit einem breiten, Dunkelblauen Strich oben und einem feinen Dunkelblauen Filet unten, so wie es bisher war. Das Deck das Vreni und ich selber neu lackieren werden, machen wir in einem beige Ton. "Picasso" beginnt am folgenden Tag mit dem Schleifen des Schiffes, während ich unseren Perkins Motor zerlege, um noch einmal zu versuchen den Oelverlust beim Kurbelwellenausgang zu beheben. Vreni demontiert alle Bodenbretter, reinigt die Bilge und streicht sie mit einer speziellen Bilgen Farbe neu. Die Bodenbretter werden abgeschliffen und neu lackiert. Zwischendurch werden wir von unseren Freunden zum Apéro oder gar zum Essen eingeladen, während wir die Arbeiter der Werft und den Wachtmann mit Coca-Cola, Kaffee und Zigaretten bei guter Arbeitsmoral halten. Das Wetter meinte es gut mit uns und nach 8 Tagen ist "Picasso" bereit unser Schiff abzudecken und den Spritz Spachtel und die Grundierung zu spritzen.

Ich habe auch den Motor wieder zusammengebaut und hoffe nun, endlich den Oelverlust behoben zu haben, wenigstens die letzten zwei Tage hat die Abdichtung gehalten. Dass sich nun noch herausstellt, dass unser Getriebe defekt ist und wir weitere 2500 Franken für Reparaturen ausgeben müssen, macht uns Sorgen. Damit die Werft Arbeiter mit dem abkratzen der alten Unterwasser Anstriche etwas besser vorankommen, habe ich ihnen unsere elektrische Maschine, Schutzbrille und Staubschutzfilter gegeben, die armen Kerle haben gar nichts. Vreni hält ihre Arbeitsmoral mit einem gelegentlichen Kaffee aufrecht. Nur, wenn wir beim Schiff sind und die Arbeiter beobachten, wird gearbeitet. Geht man weg, stoppt die Arbeit meistens, es wird ein Schwatz gehalten oder man geht einfach weg und macht etwas anderes, gearbeitet wird weniger. Für Arbeiten die Vreni und ich erfahrungsgemäss in 10 Stunden erledigen, hat man hier zwei bis vier mal länger. Am schlimmsten aber ist für uns die Beschaffung der Ersatzteile. Sie bereitet uns oft schlaflose Nächte. Heute ist der 8. Februar 2001. Ich bin um 02.00 Uhr kurz aufgestanden um zwei E-Mails zu versenden und allenfalls eingegangene Mails zu lesen. In der Nacht haben wir am wenigsten Übertragungsprobleme und es ist mit dem Handy am billigsten. Bei den ankommenden E-Mails ist eines der Swissair Genf dabei. Unsere CO2 Patronen für die Rettungswesten, auf die wir seit dem 28. Dezember 2000 warten, sind nun im Flughafen von Tunis und können uns, wegen angeblichen Zollproblemen, nicht nach Port EI Kantaoui geliefert werden. Wir müssen persönlich nach Tunis reisen und sie abholen. Es sind ja "nur" 140 Kilometer, also eine Tagesreise. Das neue Getriebe von der Firma ZF aus der Schweiz, sollte auch seit gestern hier sein, aber noch niemand weiss etwas davon. Morgen wird sich als erstes der Chef der Post von EI Kantaoui darum kümmern, wenn er kein Erfolg hat, werden wir den Hafen Kommandant einschalten. Für die Spedition von der Schweiz hier her bezahlen wir stolze Fr. 500.--, ich habe mich nicht verschrieben "fünfhundert". Die Arbeiten am Schiff, die Vreni und ich selber erledigen, sind bald abgeschlossen und noch einiges mehr, aber bei den Arbeiten der Werft harzt es sehr.

1 bis 3 Arbeiter sind an unserem Schiff im Einsatz. Mehr als 4 bis 5 Stunden pro Mann und Tag kommen aber selten heraus. Obschon, Morgens um 08.00 Uhr stehen sie meistens da, grüssen per Handschlag freundlich und trinken ihren Kaffee. Vor 09.00 Uhr beginnt aber keiner mit der Arbeit. Der Mittag ist unberechenbar und schwer fest zu halten. Der Nachmittag ist kurz. Zwischen 14.00 und 17.00 verschwinden sie bereits wieder, nachdem sie in den sanitären Anlagen des Hafens geduscht und ihre Socken und Schuheinlagen gewaschen und reichlich Parfüm aufgetragen haben. Eine Ausnahme ist zeitweise nur "Picasso." Heute feiern Vreni und ich aber dennoch einen Teilerfolg. Der Maler "Picasso" hat heute Nachmittag das Blau an unserem Rumpf gespritzt! Er ist ein richtiger Profi! Zuerst mussten wir uns ein wenig an das neue Blau gewöhnen, denn es scheint heller zu sein als erwartet. Wir haben uns aber für diesen Farbton entschieden. Am Unterwasserschiff wird immer noch der alte Anstrich abgekratzt. Ich weiss nicht wie das ginge, wenn die Arbeiter nicht unsere Maschine hätten, die wären, mit ihren Handschabern noch nirgends. Wichtig ist für die Arbeiter vor allem, dass sie beim werken möglichst sitzen können. Kaum hatte ich den alten Schaumstoff unseres "Weinlagers" weggeworfen, ist er schon auf dem Stuhl des einen Arbeiters wieder zu finden. Gepolstert lässt es sich leichter arbeiten! Effizienter auch? Jeden Abend schreibe ich auf, was gearbeitet wurde und vor allem auch wie viele Stunden. Wir wollen verhindern, bei der Rechnungsstellung eine böse Überraschung zu erleben. Kostenvoranschläge werden hier anscheinend nicht so ernst genommen. Morgen um acht Uhr müssen wir auf der Post sein, die nette Beamtin will sich um unsere Getriebelieferung bemühen. "Chez nous, Je client est roy" steht auf mehreren Tafeln im Postbüro.

Kakerlaken!

Der Alptraum jedes Seglers. Nur keine Kakerlaken an Bord! Jeder "Yachti" hier im Hafen, spricht von diesen Fiechern, keiner aber weiss genau, welche der Kriecher nun Kakerlaken sind. Niemand findet in einem Buch Bilder oder Erklärungen. Ist eine Kakerlake eine Kakerlake? Oder gibt es mehrere Arten, Farben, Grössen?

Können sie wirklich fliegen? Dann wäre es ja fast sinnlos alles Gemüse, die Früchte, das Fleisch, bevor man es an Bord nimmt immer zuerst zu waschen. Kein Verpackungsmaterial vom Markt kommt an Bord, es wird vorher entsorgt. Was aber wenn die Fiecher ja fliegen können? Nützt das waschen der Gemüse und anderem Zeug überhaupt etwas? Muss man das Zeug mit Süsswasser, Meerwasser, Essigwasser, heissem Wasser waschen, dass es die Kakerlaken vernichtet? Jeder hier weiss etwas, niemand ist sicher. Vreni geht so weit, dass es schon zwei Mal alle Süsswarenschränke im Schiff ausräumte, reinigte und mit einem Insekten Vernichtungsmittel sprühte. Zufrieden "graget" heute Abend wieder einmal so ein Tierchen über unsere Spühle. War es eine Kakerlake? Stress Kakerlake?

Ein Einkaufstag in Hamman-Sousse

Heute Morgen sind wir früh aufgestanden, haben uns gewaschen, gefrühstückt und sind dann zur Hauptstrasse hinauf gegangen. Wir haben beide den Rucksack am Rücken und warten auf eine Louage. Das erste dieser, in Blau gestreiften, Billigtaxi für Einheimische nimmt uns gleich mit bis nach Hamman Sousse. Für diese knapp 10 Kilometer bezahlen wir dem Fahrer pro Person 500 Millimes, das sind 65 Rappen. Nun ist laufen angesagt, denn alles ist hier sehr weitläufig, die Geschäfte sind klein und weit verstreut. Wenn man etwas sucht braucht es oft viel Zeit und Informationen um zum Gewünschten zu kommen. Zu oberst auf unserer Einkaufsliste steht das Automatiköl für unser neues Getriebe, auf das wir immer noch warten. Das Oel finden wir in einem kleinen Ersatzteillager für VW. Die Spezialbäckerei, die einzige die nicht nur Baguette hat, finden wir 10 Fussminuten weiter an der gleichen Strasse. Vreni kauft zwei verschiedene Vollkorn-Brote für zusammmen 700 Millimes also 91 Rappen. Der Supermark "Monopris" ist der einzige der kleine Dosen Champignon verkauft, Vreni deckt sich mit fünf Dosen ein. Ein Servierbrett und einen Halbliter Messbecher können wir auch nach 2 Stunden intensivem Suchen nicht auftreiben. Es ist Mittag geworden und der grosse Stoffladen liegt 25 Fussminuten weiter. Wir entschliessen uns vorher eine Kleinigkeit zu essen. An der Hauptstrasse finden wir ein kleines Restaurant. Restaurant ist eigentlich der falsche Namen. Es ist ein kleiner Raum, in der Grösse einer Garagebox. Rechts und links hat es je 3 Tische. Alles ist sehr eng. Die Tische sind mit einheimischen Arbeitern schon alle besetz. Einige sitzen da, in Schale und Krawatte, andere im Überkleid, das steht vor Schmutz. Es ist Mittagszeit und jeder will etwas Essen. Vor dem kleinen Lokal stehen noch zwei Tische. Einer ist noch frei und wird von der Sonne beschienen. Es ist heute der 31. Januar und mit 19 Grad echt kühl. Wir setzen uns, und schon steht die kleine, etwas feste Frau in der blauen, nicht mehr so sauberen Schürze da. Die Speisekarte ist nur in arabisch geschrieben, aber die Frau des Lokals fragt: Cuscus, Fisch, Lamm? Wir entscheiden uns für zwei mal Lamm und eine Cola. Die Cola in der 2 dl Glasflasche und ein Korb mit frischem Baguette kommt gleich auf den Tisch. Für jedes von uns folgt dann eine Schale mit feiner, scharfer Suppe. Anschliessend gibt es frische Erbsen, dann folgen die Teller mit 6 Lammkottelets, Peperonchini, Salat und Pommes-Frites. Alles schmeckt herrlich und ist sogar heiss. Es macht uns Mühe alles auf zu essen, so viel wird serviert, aber stehen lassen wäre einfach zu schade. Frisch gestärkt können wir nun zum Stoff und Blachen-Geschäft bummeln. Na ja, was das Mittagessen gekostet hat, möchtet ihr noch wissen? Mit den beiden Cola und dem Trinkgeld habe ich 9 Dinar (Fr. 11.25) bezahlt. Vreni möchte 20 Meter Marine blauen Blachenstoff kaufen, weil er hier so billig ist. Leider sind auf der Rolle nur noch etwas mehr als 16 Meter. "Sollte reichen", meint Vreni und ich handle noch einen Spezialpreis aus. 4 Dinar ( Fr. 5. --) pro Laufmeter bei 1,40m Breite, bezahlen wir schlussendlich.

Schwer bepackt geht es gegen 14:00 Uhr zur Kreuzung herunter wo wir auf eine Louage warten. Erst als ein Kombi vorbei fährt, winke ich mit beiden Armen und frage ihn ob er uns, mit unserem Ballast, nach Port EI Kantaoui bringe. Wir können einsteigen und sind knapp eine halbe Stunde später auf dem Werftgelände, bei unserem Schiff. Der Nachtwächter nimmt bereits seinen Dienst auf und erklärt Vreni, dass er jede Nacht ohne Wochenende und Ferien von 17:00 bis 7:00 Uhr hier Wache schiebe. Er verdient im Monat 200 Dinar ( Fr. 250. --). Geht es uns Gut!

Wir müssen mit Problemen kämpfen

Die Reise nach Tunis, vom Samstag den 10. Februar, wurde, was unser Wartungsmaterial für die Rettungswesten betrifft, zum Flopp. Man will zuerst am Swissair Schalter nichts wissen und erst als wir ihnen die E-Mails von Swissair Zürich und Genf vorlegen, kann sich der "Chef' an "etwas" erinnern. Fast zwei Stunden verbringen wir auf dem Flughafen von Tunis ohne, dass man unsere Ware findet. Vreni und ich besuchen anschliessend die Medina (Altstadt) die uns sehr gut gefällt und essen in einem idyllischen und schönen Lokal in der Stadt, ein herrliches Mittagessen. Mit 9 Dinar (Fr 10.-- ) ist es eigentlich recht teuer aber wir werden reichlich verwöhnt. Einerseits ist es ein sehr schönes, kleines Lokal aus den 30-er Jahren. An den Wänden alte Fotos und Gegenstände aus dieser Zeit. Die Tische sind nett gedeckt und das Personal äusserst aufmerksam und freundlich. Und das Essen! Nach einer scharfen Suppe, serviert man uns einen ganzen Fisch mit Gemüse und Reis und zur Hauptspeise ein zartes Steak mit Teigwarengratin des Hauses, das am Tisch angerichtet wird. Auch das Creme Caramel zum Dessert schmeckt vorzüglich. Nach fast vier Stunden mit Bus, Bahn und Louage sind wir um 19:00 Uhr wieder zurück auf dem Schiff. Gleich am nächsten Morgen, senden wir ein E-Mail an die Swissair nach Zürich und hoffen, dass wir wenigstens das verlorene Material und unsere Unkosten ersetzt bekommen. Wir schreibe ihnen auch, dass wir nicht bereit sind ein zweites Mal nach Tunis zu reisen, da immerhin 7 Stunden Reisezeit und einige Kosten damit verbunden sind (Denkt man nur an das teure Mittagessen). Dann prompt, kommt am nächsten Montag Nachmittag ein Telefonanruf vom Swissair Büro in Tunis: "Man hätte unsere Ware nun doch noch gefunden"! Jetzt müssen sie versuchen diese uns nach Port EI Kantaoui zu senden, was das erste Mal anscheinend nicht möglich war.

Eine Woche später, am Samstag Abend, klopft ein Kurier an unserem Schiff und überbringt uns den Plastik Beutel mit dem Wartungsmaterial. Am 28. Dezember 2000 in Genf weggenommen, am 18. Februar 2001 nach 52 Tagen in Tunesien zugestellt. Wir können nun unsere Rettungswesten warten. Am Montag den 19. Februar schickt uns die Swissair ein E-Mail und bittet uns noch einmal um Entschuldigung. Sie vergüten uns alle Auslagen Fr 152.00. Dazu, als kleine Entschädigung für unseren Aerger, senden sie einen Fluggutschein über 100 USD. Wenn das nicht sehr genereus ist! Auf das neue Getriebe warten wir auch noch immer. Wir konnten aber von der Lieferfirma "ZF- Schweiz" erfahren, dass es ab "ZF-München" und mit "General Parcel Service" geliefert werde. Diese Transportfirma kenne die Probleme Tunesiens und rechne mit 5 Arbeitstagen Transportzeit und 3 Tagen Zollerledigung. Ende dieser Woche dürfte es also da sein. Hoffen wir es! Zu allen Materiellen Problemen und den Problemen hier in der Werft, hat sich Vreni nach langer Zeit wieder einmal eine Blasenentzündung geholt. Tee trinken, Bettflasche und alle anderen Hausmittel wollen einfach nicht helfen. Es greift zur Notapotheke und nimmt das von unserem Hausarzt für solche Notfälle mitgegebene Antibiotika. Obschon man eine Antibiotikakur immer zu Ende führen sollte setzt Vreni die Tabletten nach drei Tagen bereits wieder aus, weil es ihm bedeutend besser geht. Wir sind beide froh darüber. Drei Tage später plötzlich bekommt Vreni aber einen Ausschlag am Rücken und am folgenden Morgen, es ist natürlich ein Sonntag, ist Vreni von Kopf bis Fuss von einer schlimmen Allergie befallen. Der Apotheker will uns nichts verkaufen und mobilisiert gleich den Arzt. Docteur Khaled Rammah, der hier im Ferienzentrum von Port EI Kantaoui seine Praxis hat. Vreni erinnert sich an ihre schlimmen Peniclin Allergien von früher und liesst die Packungsbeilage des Antibiotikas durch. "Aus der Gruppe von Penicilin" steht da geschrieben. Nun ist alles klar. Warum uns der Hausarzt dieses Mittel, obschon er Vrenis Problem kennt, mitgegeben hatte wissen wir nicht? Doktor Rammah, der übrigens sehr gut deutsch spricht, untersucht Vreni und bestätigt unsere Vermutung. Er verabreicht Vreni während zwei Tagen eine Spritze. Dazu verschreibt er Tabletten und eine Salbe. Erst nach drei Tagen hört das Jucken langsam auf und der schlimme Ausschlag bildet sich zurück.

Die Arbeiten am Schiff gehen nur zögernd voran. Die Arbeitskräfte hier haben einfach einen ganz anderen Rythmus als wir bei uns in Europa. Kaffee oder Tee trinken ist mindestens so wichtig, wie arbeiten und wenn man am Abend nach Hause geht, sollte man nicht müde sein. Am letzten Freitag Nachmittag nach dem spritzen, hat der Maler noch begonnen auf der linken Seite das Abdeckpapier und den Plastik zu entfernen. Für das Wochenende ist schlechtes Wetter, mit Sturm angesagt. Er freut sich selber über das schöne Blau am Schiff und macht Feierabend ohne die Arbeit zu Ende zu führen. Ich rufe ihn zurück und frage ihn ob es nicht besser wäre alles Abdeckmaterial zu entfernen? Er will nicht, lacht und meint, das habe bis Montag Zeit und das meiste wolle er noch so belassen. Am Samstag und Sonntag hat es stark gestürmt, bis 9 Windstärken aus Nord-West und zwischendurch hat es auch mal einen Regenguss gegeben. Alles Plastik und Papier am Schiff hat es losgerissen. Durch das flattern im Wind und die Lackablagerungen ist das neu gespritzte Blau nun beschädigt. Picasso ärgert sich am Montag Morgen und weil er alles noch einmal anschleifen und neu spritzen muss, arbeitet er heute gar nichts am Schiff. Es habe zu viel Wind, er repariert heute mit Hammer und Meissel den Vergaser an seinem Mopett und trinkt Kaffee.

Der "Dicke", der letzte Woche wegen Rückenschmerzen drei Tage zu Hause blieb, ist wenigstens heute wieder gekommen und hat mit Hilfe unserer Maschine etwa 3 Quadratmeter alten Unterschiff Anstrich entfernt und der "Junge" hat mit der Schleifmaschine etwa einen Quadratmeter fein geschliffen. Wenigstens etwas. Wir haben ja noch ein wenig Zeit! Am Dienstag ist das Wetter wieder besser, Vreni hilft Picasso abdecken, damit er nicht immer weglaufen kann. 7 Stunden wird hart gearbeitet und am Abend ist unser Rumpf strahlend und schneeweiss gespritzt. 5 Lagen Lack sind aufgetragen. Vreni und Picasso entfernen noch am selben Tag ganz vorsichtig, alles Abdeckmaterial. Es sieht toll aus! Zwei Tage später kann das Blau noch einmal lackiert werden, dann ist die Neulackierung abgeschlossen. Fast! Vreni und ich haben noch die grosse Reinigung vor uns und mindestens einen ganzen Tag wird das montieren der ARIES, der Fensterrahmen, der VERENA Schrift und weiteren Kleinigkeiten in Anspruch nehmen. Der Mittwoch den 14. Februar ist ein ganz schlechter Tag für uns. Am Vormittag ruft Herr Orlando von der Firma ZF-Schweiz an. Unser Getriebe kam bis nach Tunis und wurde dann als nicht zustellbar wieder nach München zurück gesandt, wo es jetzt liegt. Wir überprüfen die Adresse, alles hat seine Richtigkeit. Das ist nun also die Garantie von "General Parcel Service" weltweit zu zustellen. Was tun? Wir entscheiden, auf das Ganze zu gehen. Der General Manager unserer Werft, bei der wir zur Zeit Arbeiten ausführen lassen, ist der Sohn eines Ministers und früheren Botschafter Tunesiens in der Schweiz. Ihm erklären wir die Situation. Am Nachmittag findet eine Besprechung in seinem Büro statt. Der Generalmanager, der Kommandant des Hafens, Vreni und ich sind beteiligt. Nach langem hin und her wird entschieden und per Telefon mit ZF Schweiz organisiert: General Parcel Service von München sendet unser Getriebe ein zweites Mal und für uns kostenlos nach Tunesien und zwar an die Adresse der Werft: "EI Kantaoui Marine Service, Generalmanager Monsieur Hassan Baccouche." Monsier Baccouche ist überzeugt, dass wir nun das Getriebe in wenigen Tagen einbauen können. Wir hingegen sind da gar nicht so sicher, was wir ihn auch ganz klar wissen lassen. Am Dienstag den 20. Februar, kommen sowohl Picasso der Maler, wie auch der General-Manager der Werft, strahlend zu uns. Das Getriebe sei da! Mit der normalen Post gekommen, von General Parcel Service, denen wir 500 Franken bezahlen sollen! Aber...! Es gibt Probleme beim Zoll und wir müssen einen Agenten der "Societe" beiziehen, der sich um das Geschäft kümmert. Ein weiterer Tag vergeht, ohne dass wir das Getriebe an Bord haben. Mehrere Male werden wir gefragt, was für ein Teil dies sei? Mechanik oder Elektronik? X-Mal erklären wir, dass es sich um Mechanik, um ein Getriebe, I'inverseur, une Boite a vitesse, a gear Box für unser Schiff, Bateau, Ship, handelt. Am zweiten Tag gibt es eine Besprechung beim General Manager im Büro. Der Agent ist auch anwesend und erklärt uns die Situation:

Der Zoll gibt das Getriebe erst frei, wenn die bei der Ware liegende Proforma Rechnung von ZF München, ausgestellt auf die Werft, auch von dieser Werft hier in Tunesien bezahlt ist. Die beiliegende Rechnung muss aber neu geschrieben werden, mit präziseren Angaben über das Ersatzteil und mit vom Agenten formuliertem, vorgeschriebenem Text. Das natürlich in Französisch.

Eine zweite Möglichkeit, zum Getriebe zu kommen, könnte sein, wenn wir bereit wären die Mehrwertsteuer von 18% und den Zoll von 15% zu bezahlen. Das wären zirka 800 Franken. Für uns viel zu teuer. Wir beissen in den sauren Apfel und wählen Variante 1. Als erstes müssen wir mit ZF Deutschland telefonieren, die Minute NATEL kostet uns jedesmal 2 Franken. Zum Glück zeigt sich dort Herr Raimel sehr verständnisvoll und hilft uns sehr unbürokratisch. Wir senden Ihm einen Fax, mit allen Angaben des Agenten, wie die neue Rechnung aussehen muss. Herr Raimel faxt die neue Rechnung umgehend nach Tunesien zurück. Mit ZF Schweiz telefoniere ich auch, wo ich leider die Antwort erhalte, dass Herr Orlando in den Ferien weile. Man verbindet mich mit einem Stellvertreter, den ich über das Problem informiere. Die Rechnung der ZF-Schweiz muss annuliert werden, da jetzt ein Teil an ZF-Deutschland bezahlt wird. Nach dem Finanzausgleich zwischen der ZF-Schweiz und der ZF-Deutschland, ist dann eine neue, Differenz Rechnung zu erstellen. Mit einem Bruder Andreas, der Bestellung und Rechnungserledigung in der Schweiz macht, muss ich auch telefonieren um ihm alles zu erklären. Da alles so kompliziert ist, sitzt Vreni an den PC und macht es noch schriftlich. Eine Stunde später gehen unsere Schreiben per Post und eingeschrieben an ZF-Schweiz und Andreas weg. Nun ist alles telefonisch, per Fax, per Einschreiben geregelt. Wir warten wieder ab. Am Freitag den 22. Februar bringt der Agent in Begleitung eines Zollbeamten, das Getriebe an unser Schiff. Wir können endlich einbauen! Nur dank der grosse Hilfsbereitschaft von meinem Bruder Andreas, den beiden ZF Mitarbeitern Orlando und Raimel, dem General Manager hier in der Werft und wieder einmal mehr der Unterstützung von Manuela Zosso und ihrem Team der Raiffeisen Bank Wünnewil, die uns jeden Auftrag per Fax sofort bestätigten, kamen wir hier in Tunesien zu einem neuen, so dringend benötigten Getriebe. Vielen Dank an Alle!

Kleine Highlights

Schon seit vier Wochen steht unser Schiff auf den Böcken. Alles ist staubig, dreckig und ungemütlich. Die Werftarbeiter kratzen mühsam die alten Unterwasser Anstriche ab, Vreni und ich lackieren gerade das Deck neu. Im schmutzigen Überkleid steige ich gerade mit einem Kehrichtsack in der Hand die steile Leiter hinunter, als mich einer anspricht: Sprechen sie deutsch? Ich bejahe. Ich habe da noch eine echte Östreichische Salami und wir fliegen Morgen nach Hause, wollt ihr sie? Und ob wir die möchten! Wieder einmal etwas aus Schweinefleich, muss das gut sein! Herzlichen Dank! Mein Ausdruck der Freude wurde anscheinend verstanden, denn Helmut, so hiess der edle Spender kommt etwas später zurück und bringt uns noch ein Stück, ein ganzes Kilo echten Schinken mit. Vakuum verpackt und essfertig. Sein Kollege hätte diesen wieder mit nach Österreich nehmen wollen, aber das käme natürlich nicht in Frage, der sei bei uns doppelt geschätzt! Meint er. Wie recht Helmut hat, wird das ein Festessen geben! Einen einzigen kleinen Wunsch hatte Helmut noch. Er war hier in den Ferien auf einem Segeltörn und es interessiert ihn wie es bei uns weiter geht, wir sollen ihm doch irgend einmal eine Karte senden und mitteilen wie es uns geht.

Lieber Helmut Rauchenwald, noch einmal recht herzlichen Dank von Vreni und Hansruedi von der SV VERENA basilea Schweiz. Weltumsegler leben manchmal sehr bescheiden und freuen sich dann oft an Dingen die man früher im "normalen" Leben als selbstverständlich hinnahm.

Wir können endlich wieder Einwassern

Ein herrliches Gefühl mit dem Schiff wieder zu schwimmen. Mit einem neuen Schiff! Die SV VERENA mit ihrer Neulackierung und dem neuen Antirutsch Deck sieht super aus. Dazu haben wir jetzt auch die Gewissheit, dass unser Schiff keine Osmose hat! Wir brauchen diese auch nicht mehr zu befürchten, da wir nun eine optimale Unterwassersanierung mit "INTERNATIONAL GELSHIELD" ausführen liessen. Osmose Isolation, vier Lagen 2 Komponenten Primer und 2 Lagen Hartantifouling "Profi", schützen unser Unterwasserschiff. Nun müssen wir nur noch gründlich reinigen, denn aussen und innen ist alles noch voller Schleifstaub. Betreffend der Rechnung waren wir drei Mal beim Sekretär der Werft, welcher zuständig ist. Wir konnten uns ohne Probleme einigen. Die fünfte, nicht geplante Woche an Land, wurde uns nicht verrechnet, auch die über 20 Mehrstunden des mühsamen Arbeiters nicht. Der Verrechnungslohn mit Fr 7.50 ist zwar sehr tief, beinhaltet aber wirklich nur das Arbeiten. Jeder Pinsel und Roller, das Abdeckband, Plastik Verdünner, und sogar Wasser und Strom für das betreiben der Maschinen wird separat in Rechnung gestellt. Dass man das Material wie Primer, Lacke, Antifouling separat und mit gewissem Aufschlag bezahlen muss ist selbstverständlich. Die Mehrwertsteuer kommt noch dazu und beträgt 18%. Trotz allem aber sind wir sehr günstig weg gekommen und in jedem anderen Land hätten wir einiges mehr bezahlen müssen, selbst wenn wir noch mehr Arbeiten selber ausgeführt hätten. Die Arbeit ist Qualitativ gut, wenn es auch hier und dort am Finish fehlt. Unsere persönliche Kontrolle und unser Korrektureinfluss während den Arbeiten war sehr wichtig und wurde auch akzeptiert! Man muss dabei bleiben, sonst geht oft nichts.

Das Leben in Tunesien

Je länger man in einem Land verweilt, desto weniger ist man ein Tourist. Man bekommt langsam mit, wie man hier wirklich lebt. Ein Arbeiter in Tunesien verdient zwischen 250 und 500 Franken im Monat. Wenn er eine eigene Wohnung gemietet hat, kostet diese mit 3 Zimmer in einem etwas abseits gelegen Dorf 100 bis 120 Franken, dazu kommen Strom und Wasser. Die meisten Tunesier haben Bankschulden, sogar Fernseher, Möbel, Waschmaschine, Kühlschrank werden über Kredite gekauft werden. Verdient man über 600 Franken gehört man schon zur Mittelschicht. Ein Auto kann man sich aber noch nicht leisten, man fährt ein Kleinmotorrad, meistens ein altes Peugeot 103. Die Grundnahrungsmittel sind sehr billig, da sie meistens subventioniert sind. Ein Brot kostet 21 Rappen. Gemüse kaufen wir direkt vom Bauer auf dem Markt. Die Auswahl ist riesig. Fenchel, Kohl, Karotten, Blumenkohl, Tomaten, Paprika, um nur einige zu nennen, bekommen wir für 35 bis 85 Rappen per Kilogramm. Es ist frisch und von hervorragender Qualität. Kartoffeln kaufen wir für 45 Rappen das Kilo. In den grossen Markthallen befinden sich unzählige kleine Nischen in denen die Bauern ihre Ware anbieten. In Hammam-Sousse dem Nachbar Dorf, gibt es zudem verschiedene kleine, Kiosk ähnliche Gemüse und Obst-Geschäfte. Die Preise können sehr unterschiedlich sein, man braucht ein wenig Zeit um herauszufinden was heute am schönsten und günstigsten zu haben ist. Mit dem Fleisch verhält es sich ähnlich. Die zahlreichen kleinen Metzgereien bieten sehr unterschiedlich an. Am grössten ist die Auswahl an frischem Geflügel. Ein ganzes Poulet kostet zwischen 4 Franken. Das ist zugleich auch der Kilopreis für Pouletbrüstchen und Trutenschnitzel. Lammfleisch ist sehr gut und, wenn es hat, auch sehr frisch, aber bei der kargen Landschaft und dem harten Leben der Schafe in der Wüste gibt es meistens mehr Knochen als Fleisch. Lamm ist darum relativ teuer und kostet per Kilo zwischen 8 und 10 Franken. Rind und Kalbfleisch kann man schlecht unterscheiden. Wir kaufen es immer dann, wenn wir ein schönes Stück sehen. Man unterscheidet beim Fleisch nicht nach Filet, Kotelett oder Braten, ein Kilo kostet einfach zwischen 6 und 8 Franken. Also tut man gut daran möglichst Fleischstücke ohne Knochen zu kaufen. Schweinefleisch gibt es grundsätzlich nicht, da das Essen dieses vom Glauben her verboten ist. Wir haben aber ein Geschäft gefunden wo man kaufen könnte. Ein Beispiel: 2 Tranchen Schinken kosten dort 10 Franken! Wir gingen schnell wieder raus. Für ein Paket Teigwaren, 500 Gramm, bezahlen wir 19 Rappen und sie sind wirklich gut. 1,5 Liter Mineralwasser gibt es für 19 Rappen.

Alls was Luxusgüter sind, wie zum Beispiel Küchengeräte, Haarföhn, Bügeleisen, Haushalt Maschinen sind sehr teuer. Discount-Geschäfte wie Fust oder „Heim und Hobby“ gibt es hier nicht. Ein Bügeleisen unter 90 Franken haben wir nicht gesehen Auch Kleider sind nicht billiger als in Europa. Die arbeitenden Tunesier kaufen oft gebrauchte Kleider auf dem Markt, die dort in Massen angeboten werden. Das Kleidungsstück kostet meistens für 1 Dinar (Fr. 1,25). Alles was in Tunesien nicht selber hergestellt wird und importiert werden muss ist sehr teuer. Vorausgesetzt ein Import ins Land ist überhaupt möglich. Importierte Waren sind fast nicht zu kaufen. Ein Funkgerät, einen Kurzwellenradio, Bootsteile, GPS, Instrumente, oder ein Hurth Getriebe zu kaufen, ist unmöglich. Alkoholische Getränke wie Wein und Bier gibt es nur in einzelnen Geschäften die über eine Ausnahmebewilligung verfügen. Schnaps ist sündhaft teuer. Eine Flasche Martini kostet im "General" 50 Dinar, also 63 Franken. Wein kann man nur in zwei, dafür lizenzierten Einkaufsmärkten kaufen. Es ist meistens "MORNAC". Es ist ein guter einheimischer Wein und es gibt ihn Rot, Rose und Weiss zu kaufen. Ausländische Weine werden nicht geführt. Der Preis des Weines liegt zwischen 3 und 10 Franken und auf den Flaschen ist oft ein Pfand von 50 Rappen auf dem Bierfläschli von 26 Rappen.

Was man zum grundsätzlichen Leben braucht bekommt man, und das recht billig. Alles was aber Luxus ist, ist schwierig zu bekommen, gar nicht, oder zu einem sehr hohem Preis. Wo aber, beginnt der Luxus? Ist für uns eine Bohrmaschine, ein PC, ein Mixer, ein Bügeleisen, eine Waschmaschine oder gar ein Auto noch Luxus? Hier schon!!

Arbeiten ausführen zu lassen ist für unsere Verhältnisse in Tunesien sehr günstig. Fast könnten wir sagen, es lohnt sich nicht selber zu arbeiten. Der Verrechnungslohn beträgt zwischen 6 und 12 Franken. Aber! Es wird anders gearbeitet als bei uns!!!! Für uns Schweizer nicht immer sehr einfach, wenn man zusehen und bezahlen muss.

Eine Rettungsinsel oder eine Schwimmweste hier warten zu lassen ist aber unmöglich, da es keine Spezialisten und auch keine Firmen gibt. Übrigens: Ein tunesischer Chef arbeitet nie selber! Er zeigt sich in schönem Anzug und mit Sonnenbrille, möglichst oft, aber optisch markant von den Arbeitern abgegrenzt, und lässt für sich arbeiten. Nichts anrühren, wenn du Chef bist! Leider verlieren in den Touristik Regionen immer mehr, vor allem junge Leute, die Realität zu ihrem Leben in der Heimat Tunesien und glauben für die kleinste Dienstleistung, von den Fremden gleich 1 Dinar immerhin Fr 1.25 zu bekommen. Eine andere negative Angewohnheit ist geworden, dass man den Fremden beim Einkaufen oft kein Kleingeld zurück geben will, man rundet einfach mindestens auf den nächsten Dinar auf, oder man versucht beim Flaschenpfand zu schummeln, vergütet zu wenig oder belastet Pfand dort, wo keines ist. Auch beim Taxi muss man darauf beharren, dass die Uhr läuft, oder man spricht vor der Fahrt einen festen Betrag ab. Nicht selten verlangt man von den Ausländern viel zu viel. 20 Dinar hat Achim, ein Deutscher vom Hafen, für eine Strecke die sonst maximal 7 Dinar kostet bezahlt, nur weil er es noch nicht wusste. Tunesien ist für uns ein billiges Ferienland, das heisst aber nicht, dass wir uns dauernd ausnutzen lassen müssen. Es ist ungerecht, wenn Zubairo unser Maler in der Werft den ganzen Tag arbeitet und im Monat 300 Dinar verdient, mit denen er recht gut Leben kann, daneben aber die Jungs an der Front von den "Dummen" Touristen für fast nichts ganze Dinars bekommen. Diese negative Entwicklung ist leider weitgehend den Touristen anzulasten, die zu grosszügig mit ihrem Geld umgehen. Man hat ja Ferien, es spielt keine Rolle. Man zählt das  Retourgeld nicht mehr nach, wirft die Weinflaschen, auf denen ein Pfand von 50 Rappen ist einfach weg. Man rundet immer gleich selber auf einen Dinar auf, rechnen ist ja anstrengend. Was muss da auch der Tunesier denken, der für knapp 200 Dinar im Monat jeden Tag die Kehrichteimer der Feriensiedlung leert und die Gehwege sauber hält? Es gibt immer wieder Möglichkeiten wo man jemandem eine Freude machen kann. So zum Beispiel hat unserem "Picasso", der Maler der Werft von uns ein schönes Trinkgeld bekommen und er hat sich riesig gefreut. Es war verdient! Er hat mit der Neulackierung an unserem Schiff und der Unterwassersanierung wirklich tolle Arbeit geleistet und hat sich über Wochen für uns eingesetzt und uns Dinge besorgt, die wir benötigten. Vreni und ich haben versucht uns weitgehend in diesem Land zu integrieren und festgestellt, dass der Tunesier eigentlich ein sehr freundlicher und zufriedener Mensch ist. Wenn wir heute mit der Louage von Port EI Kantaoui nach Hammam-Sousse zum Einkaufen fahren und dem Fahrer 1 Dinar hinhalten gibt er uns 200 Millimes zurück. Wir nehmen das Geld, denn er erwartet von seinen einheimischen Fahrgästen kein Trinkgeld. Er verdient für seine Verhältnisse gut und ist zufrieden. Mit der Staatsform und dem Drum herum werden wir uns aber nie anfreunden können. In Tunesien möchten wir keinen festen Wohnsitz haben. Heute ist ein Paket von unserem Sohn Roger angekommen. Er ist schon ein Schatz! Surchabis und ein Schinkli, dazu der "Blick" und einige Seglerzeitschriften. Es hat uns riesig gefreut und wir werden es geniessen.

Unsere Reise geht weiter

Wir konnten es kaum erwarten, die letzten Wochen hier in Port EI Kantaoui waren unter Aufbruchstimmung, Schiffe wurden gereinigt, Segel wieder angeschlagen und letzte Reparaturen ausgeführt. Gegenseitig lud man sich zum Apéro, zum Kaffee oder zum Essen ein. Jetzt aber geht es weiter. Wir haben eine schöne Zeit hinter uns, viel erlebt, liebe Freunde gewonnen und auch einige Probleme gelöst.

Das Ausklarieren beim Zoll bei der Port Police und das Abmelden bei der Garde Nationale erfolgte ohne Probleme, man war sehr freundlich und hofft wir kommen wieder. Man braucht unser Geld!.

Unser Kurs Nord-Ost Richtung Insel Pantelleria.

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